7. Juli 2014

WM-Ende für Brych

Felix Brych gehört nicht zu den 15 Schiedsrichtern, die für die letzten vier Spiele in  Brasilien bleiben. Auch seine Assistenten Mark Borsch und Stefan Lupp können damit zu keinem weiteren Einsatz kommen. Ein Grund für diese Entscheidung liegt sicherlich darin, dass die deutsche Nationalmannschaft im Halbfinale steht. Allerdings scheinen Brychs Leistungen in der Vorrunde auch nicht besonders gut bewertet worden zu sein, denn nach dem 2. Spieltag wurde er nicht mehr als Schiedsrichter angesetzt und hatte lediglich noch einen Einsatz als Vierter Offizieller im Achtelfinale Brasilien - Chile.
Seine Leistung im ersten Spiel Uruguay - Costa Rica wurde in den deutschen Medien äußerst positiv bewertet. In der Tat hatte er das Spiel sehr gut im Griff, und mutige, richtige Entscheidungen beim Elfmeter und beim Platzverweis getroffen. Auf der anderen Seite hat er aber ein grobes Foulspiel von Caceres zu Unrecht nur mit der gelben Karte bestraft. Und das Tor zum 1:2 wurde aus einer sehr knappen Abseitssituation erzielt. Stefan Lupp hat nach der Devise "im Zweifel für den Angreifer" gehandelt, möglicherweise wurde die Situation trotzdem als Fehler gezählt.
Das zweite Spiel Belgien - Russsland bot dann wenig Gelegenheit zu glänzen. Eigentlich ein einfaches Spiel, aber leider wurde Brychs Leistung durch einen nicht gegebenen Strafstoß massiv getrübt. Dieser war zwar schwer zu erkennen, aber doch eine eindeutige und leider auch spielentscheidende Fehlentscheidung.
Insofern ist die Entscheidung der FIFA, ihn nicht weiter einzusetzen durchaus nachvollziehbar.

Damit ist die WM-Bilanz von Felix Brych und seinem Team mit 2 Einsätzen eher enttäuschend. Zur Einordnung blicken wir auf die Historie der deutschen Schiedsrichter bei Weltmeisterschaften:

1930: -
1934: Alfred Birlem (1 Achtelfinale)
1938: Alfred Birlem (1 Achtelfinale)
1950: - 
1954: Emil Schmetzer (1 Gruppenspiel)
1958: Albert Dusch (2 Gruppenspiele)
1962: Albert Dusch (1 Gruppenspiel)
1966: Rudolf Kreitlein (1 Gruppenspiel, 1 Viertelfinale), Kurt Tschenscher (1 Gruppenspiel)
1970: Rudi Glöckner (1 Gruppenspiel, Finale), Kurt Tschenscher (1 Gruppenspiel)
1974: Rudi Glöckner, Gerhard Schulenburg, Kurt Tschenscher, Hans-Joachim Weyland (je 1 Gruppenspiel)
1978: Ferdinand Biwersi, Adolf Prokop (je 1 Gruppenspiel)
1982: Walter Eschweiler, Adolf Prokop (je 1 Gruppenspiel)
1986: Siegfried Kirschen (1 Gruppenspiel, 1 Viertelfinale), Volker Roth (1 Gruppenspiel, 1 Achtelfinale)
1990: Siegfried Kirschen, Aaron Schmidhuber (je 1 Gruppenspiel, 1 Achtelfinale)
1994: Hellmut Krug (2 Gruppenspiele)
1998: Bernd Heynemann (1 Gruppenspiel, 1 Achtelfinale), 
2002: Markus Merk (1 Gruppenspiel, 1 Achtelfinale)
2006: Markus Merk (3 Gruppenspiele)
2010: Wolfgang Stark (2 Gruppenspiele, 1 Achtelfinale)
2014: Felix Brych (2 Gruppenspiele)

Brych schneidet also schwächer ab als seine Vorgänger seit 1998. Bemerkenswert auch, dass es seit der Wiedervereinigung keine Ansetzung im Viertelfinale oder mehr gab. Das kann natürlich zum Teil mit dem guten Abschneiden des Nationalteams erklärt werden. 


Brasilien - Deutschland: Marco Rodriguez (Mexiko)
 

Kommentare:

  1. Da ich beim internationalen Blog leider während der WM keine Kommentare mehr verfassen kann (wegen eines oder mehrerer Ausfälle von anonymen Verfassern), sei es mir hier erlaubt, Philipp, meinem Ärger und mein völliges Unverständnis über die Entscheidungen von Busacca/FIFA und die Leistungen der Schiedsrichter Luft zu machen.

    Dass Dr. Brych nach Hause fahren muss, ohne ein drittes Spiel zu bekommen, halte ich für völlig ungerecht, daher kann ich Deine Einschätzung, nach der Du diese Entscheidung der FIFA für nachvollziehbar hälst, leider überhaupt nicht teilen, obwohl wir während der ersten WM-Spiele, in denen ich noch kommentieren konnte (und auch sonst), sehr sehr oft übereinstimmende Meinungen haben, überhaupt nicht teilen. Der fehlende Elmeter war schwierig zu erkennen und die fehlende rote Karte im ersten Spiel kann kein Ausschlussgrund sein, da fast jeder Referee klare rote Karten nicht gegeben hat (z.B. Cakir, der im ersten Spiel eine rote Karte nicht gegeben hat, die Assistenten auch 2 Fehler gemacht haben und mit dem Halbfinale belohnt wird; ich weiß, es hängt natürlich von dem Abschneiden des Nationalteams ab). Oder Rizzoli: Klare Fehler im ersten Spiel, ebenfalls klarste gelbe Karten in den nachfolgenden Spielen nicht gegeben, Assistenten ebenfalls mit mind. 2 Fehlern. Beispiel Velasco Carballo: wie kann er nach dem Viertelfinale in Brasilien bleiben (und dieses Spiel hatte er nur seinen TOP-Assistenten zu verdanken, da er zuvor schlechte Leistungen in relativ einfachen Spielen gezeigt hatte)? Wieso bleiben Osses und offiziell auch Ricci, der aus denselben Gründen wie Kuipers (oder auch Brych und Pitana, der ebenfalls einen schwer zu sehenden Elfmeter nicht gegeben hat, aber 4 Spiele bekommt) nicht mehr im Kreise der Aktiven während der WM sein dürfte? Was ist mit Nishimura?
    Wieso muss Gassama gehen und Doué, der mehrere rote Karten übersehen hat, nicht? Warum bleiben Proenca und Williams, aber Shukralla muss gehen?
    Ich kann mir das nur mit politischen und persönlichen Gründen (vor allem Rizzoli!) erklären. Die Leistung kommt jedenfalls nicht zuerst.

    Aber Stichwort Leistung: ich kann mir die schlechten Leistungen nicht anders erklären als mit Instruktionen durch die FIFA, die das natürlich abstreitet. Aber jeder Beobachter weiß doch, dass vor allem mittel- und südamerikanische Schiedsrichter, aber auch europäische klare gelbe und rote Karten auch so gut wie immer geben. Und das sollen sie plötzlich alle während der WM nicht mehr machen?

    Ich bemühe mich stets, fair, objektiv und angemessen zu kommentieren, aber ich glaube, ich stehe nicht alleine, wenn ich sage, dass nach dieser WM die Arbeit der FIFA-Schiedsrichterkommission, der Instruktoren und von Busacca zumindest gründlich hinterfragt, besser in Zukunft komplett von anderen Leuten geleistet werden muss. Wie kann eine Kommission, die aus unterschiedlichsten Mitgliedern besteht, so etwas machen? Was ist mit Ex-Schiedsrichtern wie Mikkelsen, Kamikawa, Batres, Larrionda, Ruiz? Wieso hat Italien mit Collina (und durch Busacca als "ital. Schweizer") alleine immer so viel Einfluss? Gibt es keine unabhängige, objektive Fachleute? Früher wurde die einheitliche Regelauslegung bemängelt, so dass manche Referees nur Karten gegeben haben und einige deutlich weniger. Nun hat man eine Einheitlichkeit, aber in der fehlenden/falschen Regelanwendung/-auslegung.

    Zum Abschluss noch eine persönliche Anmerkung zum Final-Schiedsrichter: Dieser müsste nach bisherigen Leistungen - meiner Meinung nach - Jonas Eriksson heißen, der am konstantesten war und im Team keine größeren Fehler begangen hat, vermute aber, dass dies nach bisheriger Politik nicht zu erwarten ist. Zudem bestätigt mich die Halbfinalansetzung, wo Eriksson als 4. Off. fungiert und damit weitere Ansetzungen ausgeschlossen sein müssten.

    Ich bin auf Deine/Eure Meinung(en)/Kritik/Anmerkungen gespannt.

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    1. Ich stimme dir weitesgehend zu. Bei Brych hatte ich halt den Eindruck, dass er in den deutschen Medien übertrieben positiv gesehen wurde und wollte deshalb ein paar negative Seiten seiner Lesitung aufzählen. Dass er neben Mazic der einzige UEFA-SR ohne KO-Spiel ist, lässt sich damit allein wohl nicht begründen. Aber mMn zumindest nicht völlig aus der Welt.
      Cakir hat mich im ersten Spiel auch nicht überzeugt, deshalb kam das direkte HF auch für mich überraschend. Beim Third Team wird er allerdings auch von den Experten sehr positiv gesehen.
      Rizzoli ist für mich ein gutes Beispiel, dass jeder eine zweite Chance verdient hat. Es folgten ja zwei gute Leistungen. Auch Nishimura hätte mMn ein zweites Spiel bekommen sollen.
      Die Auswahl der Schiedsrichter, die jetzt noch da bleiben, kann ich auch überhaupt nicht nachvollziehen. Angefangen damit, dass 15 SR fü vier Spiele keinen Sinn machen.
      Die Idee, bei den Karten großzügig zu sein, finde ich grundsätzlich gar nicht schlecht. Es muss dann aber trotzdem irgendwo eine klare Grenze geben, ab der ein Foul gelb sein muss (auch in der ersten halben Stunde...) Und die nicht gegebenen Karten müssen zumindest durch klare Ermahnungen ersetzt werden. Man muss ja auch sagen, dass es in der Mehrheit der Spiele mit dieser Linie schon ganz gut geklappt hat. BRA-KOL war das erste Spiel, wo es so richtig schief ging. Die Kritik vorher bezog sich ja eher auf einzelne Entscheidungen.

      Beim Final-SR kann ich mich nicht festlegen. Kandidaten sind mMn Rizzoli, Proenca, Irmatov, Haimoudi sowie die Südamerikaner falls es DEU-NIE ist. Eriksson und Geiger scheiden für mich wegen der HF-Einsätze aus. Webb kann ich mir auch nicht vorstellen, Velasco wäre ein Witz. Proenca hingegen dürfte noch Chancen haben trotz NIE-MEX. Im Fall von BRA-ARG muss es mMn ein Europäer sein, also Rizzoli oder Proenca. Bei Europa-Südamerika sind die beiden auch möglich, aber ich denke, Irmatov und Haimoudi haben dann größere Chancen. Bei Irmatov ist es dann ganz klar die Erfahrung und nicht die Turnierleistung. Haimoudi war zwar nicht besonders gut bisher, aber ohne Aufreger. Für DEU-NIE ist die Auswahl am größten. Neben den vier genannten, wäre auch Ricci eine Option. Veras Leistungen waren auch gut, aber direkt das Finale halte ich für zu gewagt. Osses war ja vor dem Turnier die Nr.1 in Südamerika und ist überraschend noch vor Ort, aber das Finale wäre schon sehr komisch. Wenn ich mich jetzt auf einen Final-SR festlegen müsste, würde ich wohl Haimoudi nehmen, aber ich bin mir sehr unsicher.

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