29. Oktober 2012

9. Spieltag trübt guten Saisoneindruck

Der 9. Spieltag der diesjährigen Bundesligasaison dürfte wohl kaum für Spiele in Erinnerung bleiben, in denen den Schiedsrichtern keinerlei spielbeeinflussende Fehler unterlaufen sind. Im Gegenteil: er trübt auch im Nachhinein die guten Leistungen der vorherigen Spieltage. 

Denn nach einem mehr als soliden Saisonstart der 20 Unparteiischen (20, da Dr. Jochen Drees und Manuel Gräfe vermutlich erst am nächsten, dem 10. Spieltag eingreifen können), haben sich die Leistungen mehrheitlich durch teilweise eklatante Mängel in der Bewertung von Handspielen innerhalb und außerhalb des Strafraumes und vor allem Schwierigkeiten bei der Bewertung von Elfmetersituationen ausgezeichnet. Während den Schiedsrichtern in den ersten 72 Spielen nur maximal elf klare und wichtige Fehler unterlaufen waren (ausgenommen sind Fehlentscheidungen seitens der Assistenten), die teilweise von einem immens hohen Schwierigkeitsgrad der jeweiligen Situation herrührten, brachten es die Offiziellen alleine an diesem 9. Spieltag auf ganze sieben klare und wichtige Fehler, wozu übrigens fälschlich gegebene Elfmeter und Platzverweise ebenso zählen wie übersehene.


Marco Fritz und das "absichtliche Handspiel"
So glücklich der deutsche Meister aus Dortmund sicher über die entführten drei Punkte aus dem Breisgau gewesen sein mag, so unglücklich wird es Marco Fritz bei der Nachbetrachtung der spielrelevanten Szenen gegangen sein. Im teils hektischen Schneetreiben verlor der FIFA Schiedsrichter aus Korb den Überblick, und das gleich drei Mal:
Nachdem Freiburgs Marco Caligiuri nach einem Eckstoß zum Kopfball hochgestiegen war, ging der Ball in Richtung des Tores von Schlussmann Roman Weidenfeller, wurde dabei jedoch von Robert Lewandowskis Handgelenk aufgehalten. Zwar kann der weit ausgestreckte Arm als ein Teil des normalen Bewegungs- und Balanceablaufs gesehen werden, nichtsdestotrotz sprechen sowohl die Distanz als auch die Tatsache, dass der Verteidiger in diesem Falle fahrlässig gehandelt und sein en Körper durch die Handhaltung erheblich vergrößert hat dafür, dass dies ein Handspiel war, welches mit einem Elfmeter für den Sportclub geahndet hätte werden müssen. Eine gewisse Ironie besteht vor allem darin, dass die Borussen selbst vor nicht einmal einem Monat für ein noch weniger eindeutiges Handspiel einen Elfmeter gegen sich gepfiffen bekommen hatten, als der Tscheche Pavel Královec durch seine von der UEFA jedoch als korrekt betrachtete Strafstoßentscheidung in der letzten Minute den Ausgleich für Manchester City ermöglichte. Fakt ist, dass regeltechnisch sowohl für Spieler und Fans, als auch für die Offiziellen selbst keinerlei Grundlage und Regelsicherheit besteht, denn wer kann schon darüber entscheiden, was nun Absicht ist und was nicht?
Kontroverser ging es da schon bei der nächsten Szene zu. Dem Freistoß, der zum 0-1 für den BVB führte, soll ein angeblich absichtliches Handspiel vorausgegangen sein, was er mit seiner Gestik unmissverständlich klar machte. Auch hier lag der Korber leider daneben. Freiburgs Guédé zu unterstellen, er habe im Zuge einer fairen Grätsche auf schneenassem Untergrund den Ball mit Absicht mit seiner Hand berührt, ist mehr als zweifelhaft. Hier liegt offenbar ein schwerer Interpretationsfehler vor, der nicht auf eine zu schwammige Regelauslegung reduziert werden darf.
Noch unstrittiger war dann schließlich das Handspiel von Mario Götze, der den Ball bewusst und kontrolliert mit seinem Unterarm annahm und anschließend das entscheidende Tor zum Auswärtsdreier erzielte. Möglicherweise war dies für Marco Fritz verdeckt. Ein verbesserter diagonaler Bewegungsablauf oder nach Möglichkeit ein Hinweis von Assistent Christ, der es theoretisch hätte sehen können, hätten dies vermeiden können. Mario Götze wies im Interview nach dem Spiel jede Absicht von sich, er habe nicht bewusst Hand gespielt. Der oft zitierte große Spieler ist Götze offenbar noch nicht.

Stieler und Welz im Pech
Zusammen bei drei wichtigen Elfmeterszenen richtig gelegen, und doch trüben je ein übersehener Elfmeter die Leistungen von den beiden Hessen, auch wenn beide selbst davon abgesehen keine fehlerfreien Partien hatten. 
Stieler hat zwar korrekterweise den Fürthern einen Elfmeter verweigert, da zuvor deutlich der Ball von Gebre Silassie gespielt wurde. Doch in der 66. Minute hat der Obertshausener den Kleeblättern dann einen eindeutigen Elfmeter versagt. Bremens Torhüter, Mielitz, hatte Pribs Standbein klar abgegrätscht. Letzterer viel zwar etwas theatralisch und eventuell auch zu spät, das ändert allerdings nichts an dem Foul als solches, was anscheinend auch dem besser positionierten Assistenten Wolfgang Walz entgangen war. 
Gleichzeitig hat Tobias Welz mit seinen zwei Elfmeterentscheidungen im Spiel Düsseldorf - Wolfsburg und der anschließenden roten Karte gegen Düsseldorfs Fink goldrichtig gelegen, doch der Wiesbadener hätte schon viel früher, in der ersten Halbzeit beim Stand von 0:0, einen Elfmeter zugunsten der Fortunen vergeben müssen. Olic rannte mit vollem Tempo in seinen Gegenspieler, zielte nicht auf den Ball und traf diesen auch nicht. Auch Assistent Rafael Foltyn war hier keine Hilfe.

Gagelmann, Anklam und Thielert mit schwacher Teamleistung
Trotz einer eigentlich souveränen Spielleitung und wie immer viel Fingerspitzengefühl seitens Peter Gagelmann, gab es auch im frühen Sonntagsspiel mehr als einen groben Patzer.
So versagte Sascha Thielert den Stuttgartern eine große Torchance, als Harnik fälschlicherweise wegen angeblichen Abseits zurückgepfiffen wurde. Extrem schwierig zu sehen, aber eine falsche Entscheidung. Dafür bewies der Buchholzer später in zahlreichen kniffligen Szenen ein gutes Auge, u.a. auch bei der richtigen Entscheidung, Ibisevics zwischenzeitliches 2:1 wegen Abseits zu annullieren. Auch sein Kollege Anklam hatte seine Schwierigkeiten. In der 89. Minute riss er die Fahne nach oben und unterband so den Ausgleich der Eintracht. Occéan stand jedoch etwa 20 cm nicht im Abseits und wurde so zu Unrecht zurückgewunken. 
Peter Gagelmann selbst hat den Frankfurtern zudem einen Handelfmeter vorenthalten, der zwar nicht so eindeutig war wie im Freiburgspiel, wo der Pfiff nichtsdestotrotz hätte erfolgen sollen.

Kircher und Meyer stechen positiv heraus
Wieder einmal hat Knut Kircher in einem allerdings sehr einfach zu leitendem Spiel auf Schalke alles im Griff gehabt und mit seiner bewährten ruhigen Art die Spieler und Zuschauer auf seiner Seite gehabt. Es gibt wohl kein anderen Schiedsrichter in der Bundesliga, der mehr Kontrolle durch natürliche Ausstrahlung hervorruft.
Florian Meyer dagegen hatte einen schwierigeren Job, hat sich hier und da kleinere Fehler geleistet, lag aber bei der wichtigsten Entscheidung korrekt: Shaqiris Faller hatte keinen Elfmeter verdient, sondern einzig und alleine eine Verwarnung; es war eine dreiste Schwalbe. Abgesehen davon hatte der Burgdorfer auch die intensivere zweite Hälfte insgesamt sicher unter Kontrolle.


Alle Noten sind jetzt auch in der Benotungstabelle abrufbar.

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