Die internationale Regelkommission des Fußballs, das International Football Association Board (IFAB), hat bei ihrer Jahreshauptversammlung in Hensol Castle mehrere Änderungen am Regelwerk beschlossen. Die neuen Bestimmungen treten erstmals bei der Weltmeisterschaft 2026 in Kraft und sollen anschließend weltweit übernommen werden.
Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen gegen Zeitspiel sowie erweiterte Eingriffsmöglichkeiten des Video-Assistenten.
Im Folgenden ein Überblick über die beschlossenen Änderungen.
Countdown bei Einwürfen und Abstößen
Die bereits bestehende Zeitbegrenzung für Torhüter beim Abwurf oder Abschlag wird erweitert.
Künftig kann der Schiedsrichter auch bei Einwürfen und Abstößen einen öffentlichen Countdown starten.
- Wird der Ball nach Ablauf der Frist nicht ins Spiel gebracht, erhält der Gegner den Ball.
- Bei Abstößen kann als Sanktion ein Eckstoß für die gegnerische Mannschaft gegeben werden.
- Der Zeitpunkt, ab dem gezählt wird, liegt im Ermessen des Schiedsrichters.
Ziel ist es, Verzögerungen beim Wiederanpfiff zu reduzieren.
Zeitlimit für Auswechslungen
Bei einem Wechsel gilt künftig ein festes Zeitfenster:
- Der ausgewechselte Spieler muss das Spielfeld innerhalb von 10 Sekunden verlassen.
- Wird diese Zeit überschritten, darf der einzuwechselnde Spieler erst bei der nächsten Spielunterbrechung auf das Feld.
- Die Mannschaft spielt in dieser Zeit in Unterzahl.
Damit soll verhindert werden, dass Wechsel zur Spielverzögerung genutzt werden.
Mindestpause nach Behandlung auf dem Spielfeld
Wird ein Feldspieler wegen einer Verletzung behandelt und verlässt das Spielfeld, gilt künftig:
- Der Spieler muss mindestens eine Minute außerhalb des Feldes bleiben, bevor er zurückkehren darf.
- Die Regel gilt unabhängig davon, wie lange die Behandlung tatsächlich dauert.
- Ausnahmen sind möglich, wenn die Verletzung Folge eines Fouls mit Verwarnung oder Platzverweis ist.
- Torhüter sind zunächst ausgenommen.
Diese Änderung soll sowohl den Spielfluss schützen als auch eine ruhige medizinische Behandlung ermöglichen.
VAR darf Gelb-Rote Karten überprüfen
Der Video-Assistent erhält zusätzliche Befugnisse:
- Künftig darf überprüft werden, ob die zweite Gelbe Karte vor einer Gelb-Roten Karte eindeutig falsch war.
- Wird ein klarer Fehler festgestellt, kann der Schiedsrichter seine Entscheidung korrigieren.
- Nicht überprüft werden weiterhin:
- erste Gelbe Karten
- nicht gegebene zweite Verwarnungen
Damit erweitert sich der Prüfbereich des VAR über bisherige Platzverweise hinaus.
Korrektur bei eindeutig falschen Eckbällen
Der Video-Assistent kann künftig auch eingreifen, wenn ein Eckstoß offensichtlich falsch entschieden wurde.
Voraussetzungen:
- Der Fehler muss sofort erkennbar sein.
- Die Korrektur darf den Spielfluss nicht wesentlich verzögern.
Wettbewerbe können selbst entscheiden, ob sie diese Option nutzen. Es handelt sich also um eine zusätzliche, aber nicht verpflichtende VAR-Funktion.
VAR bei Spielerverwechslungen beider Teams
Bisher durfte der VAR nur eingreifen, wenn innerhalb derselben Mannschaft der falsche Spieler bestraft wurde.
Neu ist:
- Auch Verwechslungen zwischen beiden Teams können korrigiert werden.
- Beispiel: Gelbe Karte oder Platzverweis für den falschen Spieler der falschen Mannschaft.
Diese Erweiterung betrifft Verwarnungen und Platzverweise.
Weitere kleinere Anpassungen
Neben den Hauptpunkten wurden zusätzliche Änderungen beschlossen:
- Schmuck darf getragen werden, wenn er sicher abgedeckt ist.
- Auslegungsrichtlinien zu bestehenden Regeln werden teilweise in das offizielle Regelwerk übernommen.
- Weitere Tests zu Abseitsvarianten und technischen Hilfsmitteln laufen weiter, ohne dass dazu bereits eine Regeländerung beschlossen wurde.